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Marius LauermannProgramme

SPRIND Challenge „Next Frontier Robotics"

Dieser Beitrag stellt die SPRIND Challenge „Next Frontier Robotics" vor und fasst Fördergegenstand, Ablauf und wesentliche Bedingungen zusammen. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 22. Oktober 2026, 18:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Maßgeblich sind die Angaben in der offiziellen Ausschreibung und der Teilnahmevereinbarung.

Fördergegenstand

Die SPRIND Challenge „Next Frontier Robotics" soll Fortschritte bei intelligenten Mehrzweckrobotern und robotischen Schlüsselkomponenten beschleunigen. Im Mittelpunkt stehen terrestrische, physisch interagierende Systeme, die in variablen, wenig strukturierten Umgebungen autonom und robust arbeiten können. Die Challenge umfasst zwei komplementäre Tracks: integrierte Plattformen und Hardwarekomponenten. Ziel ist ein modulares, interoperables Robotikökosystem, in dem europäische Technologien über Plattformgrenzen hinweg nutzbar werden und beispielsweise Anwendungen in Logistik, Pflegeunterstützung, Bauwesen, Landwirtschaft oder industrieller Wartung tragen.

  • Track 1 – Integrated Platforms: Track 1 richtet sich an Teams, die ein vollständiges Robotersystem entwickeln oder auf einer bestehenden Plattform aufbauen. Dieses muss einen selbst definierten, komplexen und mehrstufigen physischen Anwendungsfall autonom ausführen, ohne Teleoperation und ohne aufgabenspezifisches Retraining. Entscheidend ist nicht eine isolierte Demonstration, sondern das Zusammenspiel von Hardware, Sensorik und Software unter veränderten Umgebungs- und Objektbedingungen. Bewertet werden insbesondere Integration, Anpassungsfähigkeit, Generalisierung, Robustheit und die Fähigkeit, Störungen selbstständig zu behandeln.
  • Track 2 – Hardware Components: Track 2 richtet sich an Teams, die eine klar abgegrenzte robotische Schlüsselkomponente entwickeln. Dazu zählen etwa Aktuatoren, nachgiebige Gelenksysteme, taktile Sensorik, Greif- und Manipulationssysteme oder echtzeitfähige Edge-Architekturen. Die Komponente muss ihre Leistungsfähigkeit in objektiven, realitätsnahen Belastungstests nachweisen und einen messbaren Fortschritt gegenüber einer definierten Baseline zeigen. Zusätzlich sind standardisierte Hardware- und Softwareschnittstellen, eine belastbare Dokumentation sowie die Integration in mindestens ein fremdes Robotiksystem gefordert.

Förderung

Die Challenge ist als mehrstufiger Wettbewerb mit fortlaufender Auswahl angelegt. Die SPRIND stellt bis zu 7,2 Millionen Euro pro Team zuzüglich Umsatzsteuer, sofern anwendbar, bereit. Die Stufenbeträge unterscheiden sich je Track, die Gesamtsumme ist in beiden Tracks identisch. Die Finanzierung erfolgt über individuelle Festpreisverträge auf Grundlage der von den Teams eingereichten Kostenkalkulation im Rahmen einer vorkommerziellen Auftragsvergabe. Nur Teams, die die jeweiligen Zwischenbewertungen bestehen, rücken in die nächste Stufe auf.

  • Stufe 1: Track 1 bis 1,0 Millionen Euro; Track 2 bis 2,4 Millionen Euro
  • Stufe 2: Track 1 bis 1,0 Millionen Euro; Track 2 bis 2,2 Millionen Euro
  • Stufe 3: Track 1 bis 2,2 Millionen Euro; Track 2 bis 1,6 Millionen Euro
  • Stufe 4: Track 1 bis 3,0 Millionen Euro; Track 2 bis 1,0 Millionen Euro

Über die Finanzierung hinaus begleitet die SPRIND die Teams mit Venture Development und Coaching und öffnet den Zugang zu Kooperationspartnern, Erstkunden und potenziellen Investoren. Bei erkennbarem Sprunginnovationspotenzial ist eine weitere Finanzierung auch nach dem Ende der Challenge möglich. Die Mittel werden ohne Anteilsabgabe gewährt.

  • Stufenlogik: In Stufe 1 erproben beide Tracks ihre Ansätze zunächst unter Laborbedingungen. In Stufe 2 folgt die Erprobung in realen Umgebungen. Stufe 3 verlagert den Schwerpunkt auf die Integration in ein externes System, Stufe 4 auf die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen. Im Verlauf der Challenge wird erwartet, dass Teams mit Teilnehmenden des jeweils anderen Tracks oder mit externen Partnern zusammenarbeiten, um Integrationsstandards voranzutreiben.
  • Bewerbungsverfahren: Interessierte Teams reichen ihre Bewerbung bis zum 22. Oktober 2026, 18:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, über das Onlineformular der SPRIND ein. Wer sich für beide Tracks bewirbt, muss je Track ein separates Formular einreichen; die Bewerbungen werden unabhängig voneinander geprüft, eine Auswahl in nur einem Track ist möglich. Nach Ende der Frist bewertet ein Expertengremium die Einreichungen, ausgewählte Bewerber werden zu einem Pitch vor der Jury eingeladen. Die erste Jury-Sitzung ist laut Ausschreibung für den 11. und 12. November 2026 vorgesehen.
  • Auswahl: Zu Beginn sollen bis zu sechs Teams in Track 1 und bis zu neun Teams in Track 2 starten. Die Zahl der Teams wird nach den jeweiligen Zwischenevaluationen reduziert.
  • Laufzeit: Die Challenge ist auf 36 Monate in vier aufeinanderfolgenden Stufen angelegt. Die erste Stufe soll am 13. November 2026 beginnen, das planmäßige Ende ist der 7. Dezember 2029.
  • Informationsangebot: Die SPRIND beantwortet offene Fragen in Webinaren am 3. September und 1. Oktober 2026.

Wesentliche Bedingungen

Die Challenge steht Teams aus Forschung und Wirtschaft offen. Neben den formalen Voraussetzungen sind insbesondere die technische Ambition, belastbare Nachweise und die Bereitschaft zur Teilnahme an den verpflichtenden Evaluationen entscheidend.

  • Antragsberechtigung: Bewerben können sich Teams in allen Rechtsformen, beispielsweise Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Inkubatoren, Startups und etablierte Unternehmen.
  • Unternehmensperspektive: Bereits gegründete Unternehmen können unmittelbar teilnehmen. Teams ohne eigene Gesellschaft sollen erkennen lassen, dass sie eine Gründung anstreben – idealerweise vor Beginn der Challenge – und langfristig ein eigenständig tragfähiges Geschäft aufbauen wollen. Eine Ausgründung während der Challenge ist möglich.
  • Sitz und Eigentum: Für bereits gegründete Unternehmen gilt: Der Hauptsitz muss in der Europäischen Union, der Europäischen Freihandelsassoziation oder im Vereinigten Königreich liegen. Mindestens 50 Prozent der Anteile müssen innerhalb dieser Region gehalten werden.
  • Abgrenzung zu anderer Förderung: Für dieselben Arbeiten am Challenge-Projekt darf keine parallele öffentliche Finanzierung bestehen. Zur Kombination mit weiteren privaten oder öffentlichen Mitteln enthält die Ausschreibung gesonderte Regelungen, die im Einzelfall zu prüfen sind.
  • Sanktionsvorgabe: Die Erklärung zu Russland-Sanktionen ist mit der Bewerbung einzureichen. Teilnahmeberechtigt sind nur Bewerber ohne Verbindung nach Russland im Sinne dieser Erklärung.
  • Technischer Nachweis: Die Lösung muss einen klaren technologischen Fortschritt gegenüber dem Stand der Technik plausibel machen und ihre Leistungsfähigkeit unter variierenden Bedingungen nachweisen. Inkrementelle Optimierungen sind ausdrücklich nicht Gegenstand der Challenge.
  • Verpflichtende Teilnahme: Evaluationen und Demonstrationen sind verpflichtend. Bei Nichtantritt behält sich die SPRIND vor, bereits ausgezahlte Mittel zurückzufordern.
  • Sicherheit und Integration: Teams müssen ein Sicherheitskonzept mit Betriebsgrenzen und Notfallprotokollen vorlegen. Systeme und Komponenten müssen ihre Interoperabilität und Integrationsfähigkeit im Sinne der jeweiligen Track-Anforderungen nachweisen.

Innovative Robotikunternehmen in Europa

Das im HML Atlas erfasste Robotikökosystem erlaubt eine räumliche Verortung potenzieller Bewerber und zeigt eine breite europäische Verteilung mit mehreren Verdichtungen. Ein Korridor reicht von den Benelux-Staaten über Nordrhein-Westfalen und das Rhein-Main-Gebiet bis nach Baden-Württemberg, Bayern, Österreich und in die Schweiz. Weitere Schwerpunkte liegen im niederländisch-belgischen Raum, in Nord- und Mitteldeutschland sowie im Raum Zürich. Daneben verteilen sich Unternehmen auf Frankreich, Skandinavien, Polen, Tschechien, Italien und die Iberische Halbinsel. Die Karte verweist damit auf ein vernetztes Feld regionaler Cluster und spezialisierter Standorte, nicht auf einen einzelnen europäischen Zentralraum.

Abb. 1: Im HML Atlas erfasste europäische Unternehmen im Technologiefeld Robotik mit einem hohen bis sehr hohen Innovationsgrad (n ≈ 620). Die Farbtiefe kennzeichnet das Forschungs- und Entwicklungslevel. Für das Vereinigte Königreich ist die Datenbasis derzeit geringer.

Fazit

Die SPRIND Challenge „Next Frontier Robotics" verbindet eine hohe maximale Vergütung mit einem dreijährigen, stufenbasierten Entwicklungs- und Validierungsrahmen. Ihr enger Fokus auf terrestrische, physisch interagierende Robotik sowie die Anforderungen an Autonomie, Leistungssprung, Robustheit und Interoperabilität begrenzen den Kreis potenzieller Bewerber deutlich. Hinzu kommt die ab Stufe 3 erwartete Zusammenarbeit über Track-Grenzen hinweg, die früh in der Projektplanung berücksichtigt werden sollte. Für Teams, die diese Bedingungen mit einem klaren Anwendungsfall oder einer belastbar benchmarkfähigen Komponente erfüllen, ist die Ausgangslage entsprechend günstig: Sie konkurrieren in einem eng umrissenen Feld um bis zu 15 Startplätze und erhalten im Erfolgsfall eine nicht verwässernde Finanzierung von bis zu 7,2 Millionen Euro samt Zugang zu Kooperationspartnern, Erstkunden und Investoren.

Über den Autor

Marius Lauermann ist Gründer und Partner der Fördermittelberatung HML Capital AG. Seit mehr als zehn Jahren unterstützt er Startups und mittelständische Unternehmen bei der Beschaffung und der Verwaltung von öffentlichen Zuschüssen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte.

HML Atlas

Die verwendete Kartenanwendung basiert auf HML Atlas. Informationen zu Datenbasis und Methodik finden sich hier.

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