Marius LauermannProgramme
SPRIND Challenge “Recoding Medicine”
Dieser Beitrag stellt die SPRIND Challenge „Recoding Medicine" vor und fasst Fördergegenstand, Ablauf und wesentliche Bedingungen zusammen. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 16. Oktober 2026, 18:00 Uhr. Maßgeblich sind die Angaben in der offiziellen Ausschreibung und der Teilnahmevereinbarung.
Fördergegenstand
Die SPRIND Challenge „Recoding Medicine" soll bislang schwer zugängliche Gesundheitsdaten für KI-gestützte Innovationen in der Medizin erschließen. Im Mittelpunkt stehen einzigartige, hochwertige und rechtlich nutzbare Datenbestände aus Versorgung und Forschung, beispielsweise klinische Dokumentationen, Bildgebungsarchive, longitudinale Kohortenstudien, Registerdaten oder Multi-Omics-Repositorien. Die Teams sollen mindestens einen solchen Datensatz kuratieren, für KI-Anwendungen nutzbar machen und einen substanziellen Mehrwert gegenüber bereits verfügbaren Datenangeboten schaffen.
Auf dieser Grundlage soll mindestens eine konkrete KI-Anwendung entstehen, die einen klinischen, translationalen oder kommerziellen Mehrwert nachweist – etwa in der Biomarkerentwicklung, Diagnostik, klinischen Entscheidungsunterstützung oder im Drug Repurposing. Datenschutz, Datensouveränität und der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten bilden dabei verbindliche Leitplanken aller Vorhaben.
- Datenerschließung und Kuration: Gegenstand der Challenge sind die Neuerschließung oder substanzielle, KI-taugliche Aufbereitung hochwertiger Datenbestände, ihre gezielte Erweiterung oder Erhebung sowie die Entwicklung von Metadaten- und Qualitätsstandards. Die Daten müssen standardisiert, maschinenlesbar und mit einer dokumentierten Qualitätsbewertung versehen sein.
- KI-Nachweis und Verwertung: Aus dem Datensatz sollen belastbare KI-Modelle, Methoden und Benchmarks entstehen, die einen neuen oder deutlich verbesserten Anwendungsfall tragen. Erwartet werden ein nachvollziehbarer klinischer oder translationaler Nutzen sowie eine Perspektive für die nachhaltige Verwertung – bis hin zu Produkten, Ausgründungen oder anderen tragfähigen Nutzungsmodellen.
Förderung
Die Challenge ist als mehrstufiger Wettbewerb mit fortlaufender Auswahl angelegt. Die SPRIND stellt je Team bis zu 1,485 Millionen Euro zuzüglich Umsatzsteuer, sofern anwendbar, bereit. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen einer vorkommerziellen Auftragsvergabe und richtet sich nach der individuellen Kostenschätzung der Teams; die Einzelheiten regelt die Teilnahmevereinbarung. Finanziert wird die Challenge durch das Bundesministerium für Gesundheit. Nur Teams, die die jeweiligen Zwischenbewertungen bestehen, rücken in die nächste Stufe auf.
- Stufe 1: bis zu 480.000 Euro
- Stufe 2: bis zu 455.000 Euro
- Stufe 3: bis zu 550.000 Euro
Über die Finanzierung hinaus begleitet die SPRIND die Teams mit technischem, regulatorischem und kommerziellem Coaching, öffnet den Zugang zu Kooperationspartnern und Fachexperten und organisiert Demo Days sowie Match-Sessions mit Investoren und Industriepartnern. Bei erkennbarem Sprunginnovationspotenzial ist eine weitere Unterstützung auch nach dem Ende der Challenge möglich. Die Mittel werden ohne Anteilsabgabe gewährt.
- Stufenlogik: Stufe 1 dauert zwölf Monate und konzentriert sich auf die qualitätsgesicherte Datengrundlage, erste KI-Modelle und reproduzierbare Benchmarks. In Stufe 2 werden daraus spezialisierte Anwendungen entwickelt und in einem klinisch relevanten Umfeld validiert. Stufe 3 dient dem Transfer in marktfähige Produkte, der regulatorischen Vorbereitung und dem Aufbau tragfähiger Strukturen. Die Anforderungen der Stufen 2 und 3 werden jeweils vorab konkretisiert und können angepasst werden.
- Bewerbungsverfahren: Interessierte Teams reichen ihre Bewerbung bis zum 16. Oktober 2026, 18:00 Uhr, über das Onlineformular der SPRIND ein. Voraussetzung ist der nachweisliche Zugang zu mindestens einem geeigneten Datensatz. Nach Ende der Frist trifft die SPRIND eine Vorauswahl; ausgewählte Bewerber werden zu einem Pitch vor einer international besetzten Jury eingeladen. Der Pitch Day ist laut Ausschreibung für den 5. und 6. November 2026 vorgesehen.
- Auswahl: Zu Beginn sollen bis zu 13 Teams in Stufe 1 starten. Nach der Bewertung von Stufe 1 können bis zu sieben Teams in Stufe 2 aufrücken, nach Stufe 2 bis zu vier Teams in Stufe 3.
- Laufzeit: Die Challenge läuft über 24 Monate in drei aufeinanderfolgenden Stufen. Die erste Stufe soll am 5. November 2026 beginnen, das planmäßige Ende ist der 31. Oktober 2028.
Wesentliche Bedingungen
Die Challenge steht Teams aus Forschung und Wirtschaft offen. Neben den formalen Voraussetzungen sind insbesondere der Zugang zu einem einzigartigen Gesundheitsdatensatz, ein belastbarer KI-Ansatz sowie geklärte Datenschutz-, Governance- und Verwertungsfragen entscheidend.
- Antragsberechtigung: Bewerben können sich Teams in allen Rechtsformen, beispielsweise Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Inkubatoren, Startups und etablierte Unternehmen.
- Datenzugang: Voraussetzung für die Teilnahme ist der nachweisliche Zugang zu mindestens einem geeigneten Datensatz; Bewerbungen ohne Datenkomponente sind nicht zulässig. Antragsberechtigt sind Datenhalter mit eigenem KI-Vorhaben, KI-Teams mit nachgewiesenem Datenzugang sowie bestehende Tandems aus Datenhalter und KI-Team.
- Datensatzqualität: Der Datenbestand muss gegenüber öffentlich verfügbaren Alternativen einen substanziellen Mehrwert in Umfang, Qualität oder Granularität bieten. Der einzigartige, schwer zugängliche Datenanteil muss den Kern des Vorhabens bilden.
- Datenschutz und Verwertungsrechte: Die Rechtsgrundlage der Datennutzung, der Datenzugang sowie gegebenenfalls erforderliche Einwilligungen und Ethikvoten müssen geklärt sein. Das vorgesehene Zugangs- und Verwertungsmodell muss mit den einschlägigen datenschutzrechtlichen, vertraglichen und institutionellen Vorgaben vereinbar sein; Datenbestände mit ungeklärten Governance- oder Verwertungsfragen entsprechen nicht dem Fördergegenstand.
- Abgrenzung zu anderer Förderung: Für dieselben Arbeiten am Challenge-Projekt darf keine parallele öffentliche Finanzierung bestehen.
- Sanktionsvorgabe: Die Erklärung zu Russland-Sanktionen ist mit der Bewerbung einzureichen. Teilnahmeberechtigt sind nur Bewerber ohne Verbindung nach Russland im Sinne dieser Erklärung.
- KI- und klinischer Nachweis: Das Vorhaben muss zeigen, dass der Datensatz einen belastbaren KI-Anwendungsfall trägt und einen neuen oder deutlich verbesserten klinischen beziehungsweise translationalen Nutzen ermöglicht. Erwartet werden reproduzierbare Benchmarks, eine klinisch relevante Validierung und eine nachvollziehbare Verwertungsperspektive.
- Öffentlicher Beitrag und Berichtspflichten: Von jedem Team wird ein substanzieller, dokumentierter öffentlicher Beitrag erwartet, etwa in Form eines Datensatzes, Werkzeugs, Modells oder Benchmarks; Form, Ebene und Zugangsmodell richten sich nach dem jeweiligen Vorhaben. Zwei Wochen vor Ende jeder Stufe ist ein Bericht zum Entwicklungsstand, zum entstandenen geistigen Eigentum und zu etwaigen Veröffentlichungen einzureichen.
Fazit
Die SPRIND Challenge „Recoding Medicine“ verbindet eine Finanzierung von bis zu 1,485 Millionen Euro je Team mit einem 24-monatigen, stufenbasierten Entwicklungs-, Validierungs- und Transferrahmen. Ihr enger Fokus auf einzigartige, hochwertige und rechtlich nutzbare Gesundheitsdaten begrenzt den Kreis potenzieller Bewerber deutlich. Entscheidend sind ein nachweisbarer Datenzugang, geklärte Datenschutz-, Ethik- und Verwertungsfragen sowie ein belastbarer KI-Anwendungsfall mit klinischer oder translationaler Perspektive. Für Teams, die Datenhalter- und KI-Kompetenz überzeugend verbinden, ist die Ausgangslage entsprechend attraktiv: Sie konkurrieren um bis zu 13 Startplätze und erhalten im Erfolgsfall zusätzlich technisches, regulatorisches und kommerzielles Coaching.
Über den Autor
Marius Lauermann ist Gründer und Partner der Fördermittelberatung HML Capital AG. Seit mehr als zehn Jahren unterstützt er Startups und mittelständische Unternehmen bei der Beschaffung und der Verwaltung von öffentlichen Zuschüssen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte.
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